Home > News > (2015) Exhibition: Sam Dzong – A Village Moves – Manuel Bauer

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Eine Ausstellung im COALMINE Forum für Dokumentarfotografie fand 2015 Statt.

Die COALMINE präsentiert den Publikumspreis des Greenpeace Photo Award 2014 in Zusammenarbeit mit Greenpeace und in Medienpartnerschaft mit «GEO».

Als Folge der globalen Klimaerwärmung fehlt dem nepalesischen Dorf Sam Dzong mit seinen
85 Einwohnern das Wasser. Nun müssen die Bewohner ihre seit Generationen angestammte
Heimat an der tibetischen Grenze verlassen und sich mit all ihrem Hab und Gut ein neues
Zuhause suchen – ein moderner Exodus. Das Projekt «Sam Dzong – Ein Dorf zieht um» von
Manuel Bauer (*1966, lebt und arbeitet in Winterthur) ist wesentlich mehr als eine
fotografische Dokumentation. Berichterstattung und aktives Handeln sind darin eng
verwoben. Der Fotograf ist der Publikumspreisträger des Greenpeace Photo Award 2014.
Das COALMINE Forum für Dokumentarfotografie zeigt die preisgekrönte Reportage.

Als der Fotograf Manuel Bauer 2008 zum ersten Mal nach Mustang fand, wollte er eigentlich
bloss das lange für Reisende gesperrte ehemalige Königreich besuchen. Doch eines Nachts
standen drei Männer aus dem entlegenen Dorf Sam Dzong vor seiner Tür. Sie hatten erfahren,
dass in Mustang ein Mann weilte, der den Dalai Lama im Unterhemd gesehen habe. Also
musste er wichtig sein und für sie – Buddhisten tibetischer Abstammung – der richtige, um ihre Verzweiflung anzuhören: dass die Wasserknappheit ihre Felder seit mehreren Jahren
verdorren liess. Das Wort «Klimawandel» fehlte in ihrem Wortschatz. Dieser bewirkt, dass die
einst ergiebigen Quellen mehr und mehr austrocknen, mit der Konsequenz, dass die Bauern
ihre Felder nicht mehr wässern und ihre Familien nicht mehr ernähren können. Sie sind der
Kollateralschaden einer Entwicklung, die irgendwo in weiter Ferne stattfindet.

Der Mönch Lama Ngawang Kunga Bista aus Mustang und Manuel Bauer haben sich daraufhin
entschieden, die Menschen von Sam Dzong bei ihrem Umzug in eine bessere Zukunft zu
unterstützen. Der König von Mustang schenkte das Land für die Umsiedlung, gelegen auf
3’800 Metern über Meer, in der nördlichsten Ecke des ehemaligen Königreichs Mustang.
Allerdings war dieses Land von hunderten teils mannshohen Findlingen übersät und somit
unbrauchbar. Manuel Bauer sammelte in der Folge mit Vorträgen in der Schweiz
Spendengelder für die Räumungsarbeiten.

Die Menschen von Sam Dzong machten darauf das geräumte Land urbar und bauten ihre
neuen Häuser. Die dafür nötigen Lehmziegel stellen sie in Handarbeit her. Doch das Holz für
den Bau ist in der ariden Landschaft auf 4000 Metern Höhe Mangelware und muss zu einem
grossen Teil aus tieferen Regionen importiert werden. Die dabei anfallenden Kosten konnten
die Bauern unmöglich übernehmen. Lama Ngawang und Manuel Bauer haben sich
entschlossen, die Menschen von Sam Dzong in dieser Situation nicht alleine zu lassen. Mit
einem Artikel des Journalisten Christian Schmidt mit Bildern von Manuel Bauer im DAS
MAGAZIN konnte dank grosszügiger Spenden das Bauholz finanziert werden.

Der Bau von 18 Häusern ist mittlerweile abgeschlossen. Am 19. Mai 2015 konnte das neue
Dorf Namashung eingeweiht werden. Hochwasserschutz für das Dorf, das Planieren der
Felder, der Bewässerungskanal, die Trinkwasserversorgung und die Hofmauern für die Tiere
müssen noch bewältigt werden.

Peter Pfrunder, Direktor der Fotostiftung Schweiz und Leiter der internationalen Jury des
Greenpeace Photo Award 2014, schreibt: «Manuel Bauers Projekt ist wesentlich mehr als
eine fotografische Dokumentation. Berichterstattung und aktives Handeln sind darin eng
aneinandergekoppelt, und der Fotograf ist teilnehmender Beobachter im besten Sinn: Seinen
Recherchen und Bildern ist es zu verdanken, dass er die Wassernot der Dorfbewohner und die
verzweifelte Suche nach einem Ausweg als leicht verständliche, dramatische, aber auch
berührende Geschichte erzählen kann. Bereits bisher konnte er damit beachtliche
Unterstützung und materielle Hilfe mobilisieren. Das Vertrauen der porträtierten Menschen,
die gekonnte Veranschaulichung komplexer Zusammenhänge sowie eine tiefe Faszination für
die Schönheiten von Natur und Kultur – all dies zeichnet Manuel Bauers Fotoarbeit aus. Sam
Dzong wird darin zu einem exemplarischen Fall, einer Metapher für viele ähnliche Klima-
Notfälle auf der ganzen Welt».

Das COALMINE Forum für Dokumentarfotografie zeigt die preisgekrönte Reportage in über
fünfzig Bildern. Eine Lounge mit Videos und Dokumentationsmaterial lädt zur Vertiefung ein.
Die Ausstellung wird von Sascha Renner kuratiert.
Mit grosszügiger Unterstützung durch die Stanley Thomas Johnson Stiftung, Nikon Schweiz
und Büro TM.

COALMINE
Turnerstrasse 1
8400 Winterthur
www.coalmine.ch
info@coalmine.ch

Biografie

2014-02-12-16-55-18-BKNach seiner Ausbildung zum Werbefotografen wandte sich Manuel Bauer (*1966) dem
Fotojournalismus zu und spezialisierte sich auf Langzeitprojekte. Seit 1989 fotografiert er für
internationale Medien in Indien, der tibetischen Diaspora und in Tibet. Internationale
Bekanntheit erlangte er durch seine Reportage «Flucht aus Tibet»; als bisher einzigem
Fotograf gelang es Bauer, die Flucht von Tibetern vollständig von Lhasa bis nach Indien zu
dokumentieren. Seit 2001 begleitet er auf bislang über 50 Reisen den Dalai Lama als offizieller Fotograf. Zahlreiche Ausstellungen, Buchpublikationen und Auszeichnungen im In- und Ausland. Rege Vortragstätigkeit. Dozent am Medienausbildungszentrum MAZ Luzern und am Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.

Manuel Bauer besucht Mustang regelmässig und unterstützt Sam Dzong seit 2010. Er
sammelt mit Vorträgen und Publikationen Spenden für Sam Dzong.

Mehr über Manuel Bauer und Sam Dzong

Die Partnerschaft – Greenpeace Photo Award

Die COALMINE präsentiert den Publikumspreis des Greenpeace Photo Award 2014 in
Zusammenarbeit mit Greenpeace. Greenpeace sucht einen neuen Blick auf ökologische
Themen. In Medienpartnerschaft mit dem Reportagemagazin GEO wurde der diesjährige
Greenpeace Photo Award zum Thema Umwelt öffentlich ausgeschrieben. Nicht fertige
Fotoarbeiten wurden gesucht, sondern noch nicht veröffentlichte Fotoprojekte.
Aus den über hundert eingereichten Arbeiten von professionellen Fotoschaffenden aus der
Schweiz und Deutschland wurden von einer Jury (Peter Pfrunder, Direktor der Fotostiftung
Schweiz, Ingo Taubhorn, Kurator Deichtorhallen Hamburg, und Ruth Eichhorn, Bildchefin
GEO) acht Projekte nominiert und auf www.photo-award.org der Öffentlichkeit vorgestellt.
Über 6000 Besucherinnen und Besucher haben sich an der Abstimmung beteiligt. Die meisten
Stimmen erhielt Manuel Bauer. Sein Projekt gewann den Publikumspreis von 8000 Euro.
Zusätzlich wurden von der Jury zwei Jurypreise à je 10 000 Euro an Uwe H. Martin und
Dmitrij Leltschuk verliehen. Beide Projekte werden in der COALMINE vom 22. Januar bis 24.
März 2016 ausgestellt. Die von Greenpeace finanzierten Preise werden von den Fotografen
für die Umsetzung ihrer Projekte verwendet. 2016 werden die Jurypreise in GEO
veröffentlicht, der Publikumspreis erscheint im Greenpeace Magazin.